Telefon
0341 - 22 55 172

mail@palmengarten-leipzig.de

Besuchen Sie uns
auch auf Facebook

Zur Geschichte der GAS-Tankstelle
an der Angerbrücke in Leipzig

Aufgeschrieben von Dr. Siegfried Dehne, dem wir hiermit herzlich danken.

In den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in Leipzig 3 baugleiche Objekte errichtet und betrieben, in denen Stadtgas gereinigt und verdichtet auf Hochdruck-Stahlflaschen gefüllt wurde, um damit einen Teil der Leipziger Omnibusse zu versorgen. Unser Gebäude gehörte dazu. Die Umrüstung der Omnibusse auf Stadtgas entsprach der damaligen Linie, die Versorgung mit Treibstoffen für die zunehmende Zahl von Kraftfahrzeugen unabhängig vom Rohöl aus dem Ausland zu machen. Dabei spielten die militärische Aufrüstung und die Vorbereitung des 2. Weltkrieges eine wesentliche Rolle.

Schwerpunkt dieser Entwicklung auf dem Treibstoffsektor war allerdings die „Verflüssigung von Braunkohle“. Dabei ging es um die großtechnische Nutzung des 1925 entwickelten Fischer-Tropsch-Verfahrens zur Herstellung von Benzin und anderen Kohlenwasserstoffen aus heimischer Braunkohle. Eine derartige Erzeugungsanlage befand sich im benachbarten Böhlen.

In den Nachkriegsjahren verloren diese Alternativen vor allem aus ökonomischer Sicht an Bedeutung. Die Gas-Tankstellen wurden stillgelegt. Die technische Ausstattung in unserem Objekt an der „Friedrich-Ludwig-Jahn-Allee“ wurde 1959 verschrottet und das Gebäude an die damalige „Zentralstelle für wirtschaftliche Energieanwendung“ (ZfwE) übergeben, die dort nach entsprechenden baulichen Veränderungen ein gastechnisches Prüflabor einrichtete. Dieses Prüflabor der Abteilung Gasanwendung der ZfwE führte im Auftrag des Deutschen Amtes für Messwesen und Warenprüfung der DDR (ab 1973 umbenannt in Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung) die Qualitätsüberwachung für alle in der DDR serienmäßig gefertigten bzw. importierten Haushalt-Gasgeräte und häuslichen Feuerstätten durch und erteilte Gütekennzeichen ähnlich dem DVGW und dem TÜV. Darüberhinaus wurde die Erzeugung von Stadtgas bezüglich der brenntechnischen Qualitätsparameter überwacht.

Das Prüflabor diente ferner zur Erprobung neu entwickelter Gasbrenner, die bei der in den 70er Jahren in der DDR begonnenen Umstellung der Versorgung von Stadtgas auf Erdgas vor allem in industriellen Anlagen benötigt wurden.

Auf Grund des 1970 in der DDR neu geschaffenen Landeskulturgesetzes ergaben sich für das Prüflabor weitere Aufgaben für den Bereich des Umweltschutzes.

Seit 1959 blieb – abgesehen von technischen Verbesserungen – der Charakter und das Arbeitsprofil des Prüflabors erhalten; lediglich die verwaltungsmäßige Zuordnung änderte sich im Laufe der Jahre. (Institut für Energetik – Leipzig > Ingenieurbüro für Rationalisierung d. Energieversorgung – Berlin > Institut für Energieversorgung – Dresden > Ingenieurbetrieb der Energieversorgung – Berlin)

Mit der Wende erfolgte die Einbeziehung in die Gas-Engineering GmbH Leipzig. Es gab anfangs Absichtserklärungen des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches der Bundesrepublik) die Prüftätigkeit des Labors zu unterstützen und gleiche Kompetenzen zur Erteilung von Gütekennzeichen (DIN ; CE) zu gewähren. Nach kurzer Zeit erfolgten diese Prüfaufgaben leider nur noch bei den beiden westdeutschen Prüflabors. Ende 1991 war praktisch keine normale Prüftätigkeit mehr durchführbar. 1992 interessierte sich ein kleineres westdeutsches Filmunternehmen dafür die Halle des Gebäudes als Studio zu nutzen. 1993 stellten die letzten beiden Mitarbeiter des Prüflabors Ihre Tätigkeit ein und der Reifenservice Rinder übernahm das Gebäude. Die Firma Reifen Rinder errichtete in der Folgezeit auf dem Grundstück verschiedene Baracken aus Blech, die 2008 von Matthias Bremke neben alten Garagen, einen schrottreifen Seecontainer und einer Holzbaracke abgerissen wurden. Alte Bausünden werden nun behutsam seit 2008 ausgebessert, damit das Gebäude wieder einen einheitlichen Charakter erhält und künftig als Gastraum und Theater betrieben werden kann.